Bericht Coburger Tageblatt vom Montag 15.03.2010 von Carsten Höllein

 

Dabei helfen, die Stärken zu stärken

Förderpreise gibt es viele, wie ein Blick ins Internet  zeigt. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie Menschen, Projekte oder Organisationen für vergangene Leistungen würdigen. "Wir zeichnen dagegen Visionen und Vorhaben aus, die in die Zukunft gerichtet sind!", sagte die Präsidentin des Soroptimist International-Clubs Coburg (SI), Sabine Gillde, bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerb "Die Zukunft der Frau in de modernen Gesellschaft" gestern im Pavillon des K unstvereins. SI ist eine weltweite Ser viceorganisation berufstätiger Frauen, die sich auf verschiedenen Feldern sozial engagieren und für umfassende Gleichberechtigung eintreten. Dazu beitragen soll ein Förderpreis, den SI-Club Coburg seit einigen Jahren ausschreibt. Mit ihm werden Ideen und Initiativen in der Region bedacht, die nachhaltig die Stellung und Position von Mädchen und Frauen stärken.

In diesem Jahr prämiert der SI-Club die sozialen Trainingsmaßnahmen (ST) des Diakonischen Werks Coburg. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Der Vorsitzende der Jury, Caritas-Geschäftsführer, Richard Reich, begründete die Entscheidung. Die ST richten sich an jugendliche und Heranwachsende beiderlei Geschlechts, die straffällig geworden sind. Im Zuge der richterlichen Weisung nach dem Jugendgerichtsgesetz haben die jugendlichen bei den ST die Möglichkeit, ihre Defizite aufzuarbeiten und auszugleichen. Bestandteil sind auch Anti-Aggressionstraining, Arbeitsmaßnahmen und ein Täter-Opfer-Ausgleich. Die pädagogische Unterstützung hilft, soziale Nachteile und individuelle Beeinträchtigungen zurückzudrängen. "Das Konzept geht von einem niedrigschwelligen Ansatz aus", sagte Reich. Es setze auf die Potenziale und Stärken der Teilnehmer. Wichtig für das Votum der Jury sei gewesen, dass das Projekt Mädchen und junge Frauen besonders berücksichtigt. Einen Schwerpunkt legten die ST auf die Nachsorge. Deshalb böten sie auch Begleitung an.

Franz Schön vom Vorstand des Diakonischen Werks Coburg stellte die ST vor. Dabei betonte er, dass diese ein regionales Projekt darstellten. Dabei werde versucht, die bisherige Ausrichtung solcher Maßnahmen ausschließlich auf männliche Straftäter zu verändern und Angebote für die Bedürfnisse von weiblichen Delinquenten zu entwickeln. Mit den Trainingsmaßnahmen sollen Verstand  und  Gefühle angesprochen werden.

Die Präsidentin der Deutschen Union Soroptimist International Dr. Sibylle Lindenberg und ihre Vorgängerin, Past-Präsidentin Dr. Ulrike Schnell, informierten die Besucher der Preisverleihung über die Themen, mit denen sich SI weltweit beschäftigt. Sie berichten von den Projekten, zum Beispiel das Mentoring-Programm oder Sofia ("Soroptimistinnen für interkulturellen Austausch Natalia 1,os, Schülerin des Gymnasiums Albertinum, war am Klavier für die musikalischen Beiträge zuständig.

Bericht Neue Presse vom Montag 15.03.2010 von Alexandra Paulfranz

Mit Bildung „Teufelskreis Kriminalität'“entrinnen

Über einen Förderpreis von 5000 Euro vorn Club Soroptimist International (SI) freute sich am Sonntag das Diakonische Werk Coburg. Eine Jury hatte sich für dessen Projekt "Soziale Trainingsmaßnahmen" bei einem regionalen Ideenwettbewerbs zur nachhaltigen Verbesserung der Stellung von Frauen und Mädchen entschieden.

Die Präsidentin des SI Clubs Coburg, Sabine Gillde, betonte, dass ein Vorhaben und eine Vision ausgezeichnet würden. „Andere Förderpreise betreffen Dinge, die bereits geschehen sind. Hier soll etwas angezündet werden, das es noch nicht gibt", erklärte sie. Der Ideenwettbewerb hatte sich an soziale Institutionen, aber auch Privatpersonen gerichtet. Richard Reich, Geschäftsführer des Caritasverbands Coburg sowie Vorsitzender der Jury, teilte mit, warum die Wahl des Gewinners auf das Diakonische Werk fiel: "Die Jugendkriminalität verändert sich in ihrer Qualität", so Reich. "Viele Außenstehende kommen dabei zu voreiligen Vorurteilen, ohne die Entwicklung zum Kriminellen zu beachten." Gerade in der Jugend seien die jungen Menschen beeinflussbar, aber genau in dieser Zeit stellten sich auch die Weichen für ihr zukünftiges Leben. Deswegen benötigten die Jugendlichen eine Plattform zur Aufarbeitung , und zum Ausgleich ihrer Defizite, wie sie das Diakonische Werk mit seinen "Sozialen Trainingsmaßnahmen" biete.

 Träume und Potenziale seien in diesem Zusammenhang gleichermaßen wichtig, meinte Frank K. Schön vom Vorstand des Diakonischen Werks Coburg Durch verschiedenste Maßnahmen versuche man seit Jahren, jugendlichen Wege aus der Kriminalität zu zeigen. "Die Träume junger Menschen spiegeln erschreckend unser Wertesystem wieder", gab Schön zu bedenken. Als unrealistisch könne man lediglich den Berufswunsch vieler bezeichnen, der die Möglichkeiten weit überschreite. "Es liegt an uns, passende Angebote zu machen, damit die jüngeren Versuchungen, Gruppendruck und Mainstream widerstehen können", erklärte Schön weiter. Wichtig sei der Fakt, dass die Angebote unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten gemacht würden. Jungen Mädchen wird der Weg verbaut, weil wir viel zu sehr auf Jungs fixiert sind. Ein Mädchen, das auf der Straße ausspuckt - das passt einfach nicht in unser Bild." Als Ticket aus "dem Teufelskreis von Kriminalität und Drogenmissbrauch" sah Schön die Bildung, denn "nur Bildung lässt realistische Ziele erkennen.

In ihrem Grußwort stellte Sibylle Lindenberg, Präsidentin der Deutschen Union SI die Arbeit ihres Netzwerks berufstätiger Frauen dar. Der Schwerpunkt liege auf der Bildung als Grundrecht eines jeden Einzelnen. Auch das Miteinander der Kulturen müsse gefördert werden. Auf allen Ebenen der Gesellschaft unterstütze die SI die Gleichstellung der Frau. Inzwischen gebe es mehr als 190 SIClubs in ganz Deutschland, die alle ebenso international arbeiten. "Wir sind kein caritativer Verein, denn Wohltätigkeit löst keine Probleme", erklärte Lindenberg.

Die Preisverleihung an das Diakonische Werk übernahm Ulrike Schnell, SI-Präsidentin von 2001 bis 2003. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung durch Pianistin Natalia Los.