Geschenktes Lächeln sprang aufs Publikum über

 

Bei klimatischen Verhältnissen, ähnlichen denen in Myanmar, einem der Länder, wo Ärzte von Interplast Germany e.V. vielen Tausenden von Kindern und Erwachsenen bereits helfen konnten, fand am 22.Juni im Schulungszentrum der Firma Max Carl ein Benefizkonzert zugunsten eben dieses Vereins statt.

Ziel des hauptsächlich in asiatischen und afrikanischen Ländern tätigen gemeinnützigen Vereins für plastische Chirurgie ist es, Menschen mit Lippen‑Kiefer‑Gaumen‑Spalten oder mit Entstellungen des Gesichts durch Noma‑Infektion ‑ im wahrsten Sinne des Wortes ‑ ein Gesicht und damit ein menschenwürdiges Leben zu geben. Interplast bringt mit seinen Ärzteteams, die hierfür ihren Jahresurlaub opfern, das Know‑How an Ort und Stelle, so müssen die Kranken zur Operation nicht über Tausende von Kilometern in eine fremde Welt verpflanzt werden. Eindrucksvoll wurde dies in Wort und Bild dargestellt von der aus München angereisten Anaesthesistin Dr. Angelika Wagner. Für das Projekt geworben wurde in diesem Benefizkonzert von drei in Coburg nicht unbekannten Künstlern: Daphne Becka, Mezzosopran, Ulrike Heyse, Sopran und Hans Stähli am Flügel, ein Instrument, das zu dieser Gelegenheit von der Firma Weißenbach‑Piano aus Weißenbrunn zur Verfügung gestellt worden war. Bei den musikalischen Darbietungen gab es zwar nicht wie in den gezeigten Fotos der betroffenen Kindern und jungen Erwachsenen ein "Vorher ‑ Nachher", aber man hatte sich trotz Sommerzeit, großer Wärme und schönem Wetter nicht nur die heiteren Seiten des Lebens ausgeguckt. Auch Trauriges, Nachdenkliches, Tragisches hatte seinen Platz. Moderiert wurde von Soroptimist-Clubschwester Dr. Elisabeth Meisinger, die jeweils auf Texte und Komponisten einging und sogar ganze Opernsujets in wenigen Worten verständlich machen konnte.

Ulrike Heyse eröffnete mit dem "Lied an den Mond" aus Antonin Dvoraks Oper "Rusalka". Ebenso wie in den Arie der Marie aus Smetana's Verkaufte Braut und der Graf in aus Mozarts 'Figaros Hochzeit" traf sie mühelos den jeweils angemessenen Ausdruck ‑ drei verschiedene Arten von Traurigkeit und Einsamkeit.

Daphne Becka hatte sich mit Ausnahme von vier recht bekannten Liedern von Johannes Brahms ("Mädchenlied", "Feldeinsamkeit", "Immer leiser wird mein Schlummer" und "Wie Melodien... "), die sie mit Ausdruck und Temperament darbot, weitgehend unbekannte Stücke ausgesucht. drei englische Lieder von Benjamin Britten, romantischmelodiös und quasi als "europäische Uraufführung" zwei Lieder des in Japan als Diplomat und Patentanwalt tätig gewesenen Karl Vogt. "Vorfrühling" auf einen Text japanischen Ursprungs, eine kurze, in Form eines Haiku genannten Dreizeilers, prägnant in Szene gesetzte Naturbeschreibung, "Mutter und Kind" ein Strophenlied, das Verbundenheit und behutsame Loslösung der kleinen Kinderhand von der Hand der Mutter zum Thema hat. Während ersterem, vor allem in der Klavierbegleitung, eine Referenz an Japan als zweiter Heimat Karl Vogts anzuhören war, bleibt das zweite ganz in romantischem bis spätromantischem Rahmen.

Pianist Hans Stähli begleitete das gesamte Programm mit seinen unterschiedlichsten musikalischen Stilarten einfühlsam und zurückhaltend auf dem Seiler‑Flügel stets präsent. Dass sie auch mit barocken Verzierungen umzugehen weiss, zeigte Daphne Becka in "Lascia, ch'io pianga" aus Handels Oper "Rinaldo" und mit "Una voce poco fa" aus Rossini's "Barbiere di Siviglia' stellte sie ein neu entdecktes Koloraturtalent erstmals öffentlich unter Beweis. Sie konnte ihren für einen Mezzosopran erstaunlichen Stimmumfang wirkungsvoll präsentieren, Hatte Ulrike Heyse vor der Pause das Publikum noch "Mahagonny" entführt, mit wiegenden Hüften Jenny Hill's provokanten Song "Wie man sich bettet, so liegt man" hören lassen, so schlüpfte sie nun ebenso überzeugend in die Rolle der Liu, die sich lieber selbst den Tod gibt, als den geliebten Prinzen Kalef an die todbringende Prinzessin "Turandot" auszuliefern.

Quasi das Publikum mit dem kleinen Finger am Fädchen führend brachte sie zum Abschluss den "Csardas" aus Johann Strauß' "Fledermaus" zu Gehör. Zu Gehör ist zu wenig gesagt, denn sie nutzte den Raum wie eine Bühne, spielte nach Herzenslust ihren Part, drehte sich im Takt der Musik oder kokettierte durch die Stuhlreihen schreitend mit dem Publikum. Das war Charme pur! Klar, dass es danach eine Zugabe geben musste. man hatte auch etwas vorbereitet, nicht ohne eine kleine Panne einzubauen: die letzte Seite der Noten für den Pianisten schien verschwunden, dieser wollte auch ohne Noten spielen, doch da fand sich die verlorene Seite und das Duett konnte beginnen‑ "Miau, miau" klang es fast wie bei echten Katzen in Rossini's "Duetto per due Gatti''. Hier durften sich die beiden Sängerinnen singend und spielend jede nur mögliche Nuance und Übertreibung erlauben und sorgten so vor dem Heimweg bei Alt und Jung für größtmögliche Heiterkeit, die der guten Sache, für die dieser musikalische Nachmittag stand, sicherlich keinen Abbruch tat. (Ausschnitte einer Kritik von Marie Bous Coburg)

 

Dank des immensen Engagements von unserer Clubschwester Brigitte Zapf, die bereits Wochen vor dem Konzert Spenden sammelte, gelang es mit einer Summe von 11 000 € einen dreiwöchigen Einsatz von Interplast in Myanmar zu finanzieren.

Wir danken allen unseren Spendern ganz herzlich.

 

 

 

 

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