Lieder zum Leben und  zum Überleben

Jozef De Beenhouwer

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Diesen Satz von Erich Kästner haben sich die Soroptimist Clubs zu Eigen gemacht, um neben anderen Projekten mit "Limbs for life" - Prothesen für das Über-Leben" das weitgehend verdrängte Leid von Minenopfem anzugehen. "Alle 20 Minuten wird irgendwo auf der Welt ein Mensch durch eine Mine verletzt oder getötet, oft sind es Frauen und Kinder" ' erläuterte die Präsidentin der Coburger Abteilung von Soroptimist International, Ulrike Takacs, dem Publikum. Gut zwei Stunden eines exzellenten Kunstgenusses sollten den Zuhörern Herzen und Portemonnaie öffnen für die gute Sache - mit Erfolg: Mehr als 3000 Mark wurden für die Anschaffung von Prothesen oder für psychologische Betreuung von Minenopfern gespendet.

In bekannter Weise, hatte die Firma Max Carl wieder ihren Tagungsraum zur Verfügung gestellt, die Klavierbaufirma Bösendorfer aus Wien einen Flügel zur Verfügung gestellt, Kraus und Pabst aus Lichtenfels in bewährter Manier ebenfalls kostenlos transportiert, und last not least wurde die Stimmung von der Firma Kiederle Coburg ebenfalls gesponsert. Werner van Mechelen, ehemals am Landestheater engagierter und nach wie vor mit Coburg freundschaftlich verbundener Bassbariton, sowie der Pianist hatten spontan ihre Mitwirkung zugesagt, so konnte ein Konzert veranstaltet werden, das jedem Konzertsaal dieser Welt bestens angestanden hätte. Das Programm brachte ausschließlich Lieder der Romantik, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Richard Strauss, Hans Pfitzner und Robert Schumanns "Dichterliebe", der Liederzyklus nach Texten von Heinrich Heine. Von volksliedhaftem, schlichtem Ton bis zu kraftvoll dramatischem Ausdruck spannte Werner van Mechelen den Bogen mit seinem großen, männlich-kraftvollen, aber auch im Pianissimo weich ansprechenden, gut geführten Bassbariton. Die interessantesten Beiträge waren hier wohl die selten aufgeführten Pfitzner-Lieder, die auf Anregung des exzellent begleitenden Pianisten Jozef de Beenhouwer ins Programm genommen wurden.

Mit Recht ist "Dichterliebe" einer der Liederzyklen, derer sich wohl jeder Liedsänger mit besonderer Liebe annimmt. Dies war bei Werner van Mechelen deutlich zu spüren. Mit der einfühlsamen, jedem einzelnen Vortrag auf besondere Weise gerecht werdenden Begleitung am weich klingenden Bösendorfer-Flügel wurde jedes der Lieder zu einem Erlebnis. 
Lobenswert die Tatsache, dass dem Programm ein Textteil beigegeben war, doch die Textverständlichkeit war so ausgezeichnet, dass man auf diese Beigabe sogar hätte verzichten können. Kein Wunder, dass der Beifall sich spontan zu Bravorufen steigerte und den beiden sympathischen Künstlern zwei Zugaben entlockte: "Morgen" von Richard Strauss und Schumanns "Sitz ich allein bei einem Glase Wein" als launige Oberleitung zum wohlverdienten Schluck Wein nach hochkonzentrierter Arbeit.

Ausschnitte einer Kritik von Marie Bous Coburg

Werner van Mechelen